Atlantik Tag 0 bis 25 Resumé
Rückblickend,  bevor wir alles vergessen, wollte ich  für mich einige Gedanken, Feststellungen und Beobachtungen, betreffend dieser Überfahrt  festhalten. Da nichts zu Verbergendes vorliegt, steht jetzt aber dieses Resumé  ebenfalls im Blog.

Atlantiküberquerung Bilderreihe 1 – Tag 1 bis 13
Atlantiküberquerung Bilderreihe 2 – Tag 14 bis 24
In den 25 Tagen dieser Reise wurden jeweils von uns täglich Tagebucheinträge über Kurzwelle in den Blog gestellt. Bei diesem Art von Versand (mit Pastor und Airmail  über Winlink) konnten,  wegen systembezogenen Dateneinschränkung, keine Photos beigelegt werden. Wir holen es jetzt nach.

· · · ◊ ◊ ◊ · · ·

Atlantik Tag 25

19 Apr 2012

Mittwoch 18.4.2012 Erwin Heute um 14.00 UTC haben wir den Atlantik verlassen und sind den Fluss Rio Paraiba hinauf nach Jacare gefahren. Damit hatte uns der Atlantik genau 24 volle Tage und Naechte in seiner Obhut und uns eine gute und spannende Zeit beschert. Diesen erstweiligen Abschied wollte er, der Atlantik, uns allerdings nicht all zu leicht machen. Anfangs Nacht lief alles noch gut, genuegend Wind, richtige Richtung, gutes Etmal, Timing perfekt. Dann gab es einige Squalls, immer noch alles gut und recht – somit letztes Mal Wassertank fuellen ! Seit dem Abendbeginn halten wir nicht mehr vor, die Wetterprognose verspricht die naechste Zeit Wind aus Suedost (SE), 10 bis 15 Knoten, wir steuern einen direkten Kurs an, 90 Grad am Wind. Aber nach diesen Squalls…. gerade 10 Seemeilen vor der Ansteuerungsboje nach Cabedelo und Eintritt in den Rio, schwenkt der Wind auf Suedwest, Windstaerke bis 18 Knoten. Hat er den Wetterbericht nicht mitbekommen? Vorbei mit direktem Kurs. Ja, beim Segeln wird eben erst ganz am Schluss abgerechnet – und eigentlich wuessten wir dies ja seit langem ! Aufkreuzen war jetzt angesagt und dies mit unserer Red Harlekin, welche bei diesem Kurs eigentlich nur schlechte Allueren zeigt und dies dann mit Stampfen und Bocken zusatzlich unterstreicht. Ein Kompromiss war gesucht…. und gefunden (zwischen der Red Harlekin und uns oder zwischen Jrmina und mir !) – die Haelfte der Distanz noch Segeln und Aufkreuzen, die anderen 5 Seemeilen unter Motor zuruecklegen (Dieser Kurs unter Motor stampfte auch, war auch nicht schnell und trocken war er auch nicht). Dennoch, er erlaubte uns, die Flussfahrt noch rechtzeitig mit Stromunterstuetzung in Angriff zu nehmen. Ueberraschenderweise aber war der Strom zu dieser Zeit noch nicht all zu stark, aber ein wenig hat er uns doch noch nach Jacare geschoben. Atlantik – see you again ! Morgen werden wir noch alle Behoerdengaenge erledigen und Mails lesen. Zudem wollen wir in einem kleinen Resume einige Erkenntnisse und Facts zusammentragen und damit unser „Tagebuch Atlantik“ mit diesem Beitrag dann abschliessen. Wenn die Photos der letzten 25 Tage untertiteld aufbereitet sind, werden wir sie ebenfalls in PDF-Form in den Blog stellen, ein Mailversand setzt Euch dann davon in Kenntnis.

Jrmina Wunderbarstes Segeln, in der Nacht mit perfektem Sternenhimmel, am Tag mit Sonnenschein und zum Abschluss noch einigen Squalls mit etwas Regen – bis 10 Seemeilen vor der Flusseinfahrt. Der Atlantik wollte uns nicht gehen lassen – Wind voll auf die Nase. Den ganzen restlichen Tag haetten wir wohl mit aufkreuzen verbringen koennen, denn nicht nur der Wind, auch die Stroemung waren gegen uns. Und wir hatten ein Zeitfenster, um mit der Stroemung den Fluss hochzufahren. 10 Seemeilen, eigentlich keine Distanz mehr. Trotzdem, Erwin war fuers aufkreuzen, kein angenehmer Kurs mit unserem Schiff und ich fuers direktere und auch unangenehme motoren nach dem Motto, moeglichst einfach und schmerzlos. Wir sind beide zusammen in Jacare angekommen……….. Im Ankerfeld haben wir „alte Bekannte“ wieder getroffen, einen deutschen Amateurfunker. Er laesst seinen Catamaran aufs Trockendock stellen, ein bisschen abenteuerlich sieht dieses Spektakel schon aus. Wir spielten auch mit dem Gedanken, die Red Harlekin aus dem Wasser zu nehmen, haben diese Idee aber jetzt begraben Und die Zwoei liegt auch hier, allerdings etwas verlassen. Heidi und Rene sind vor einigen Tagen in die Schweiz geflogen, ferienhalber. Das werden wir auch machen und uns deshalb morgen nach dem Papiere erledigen in die Marina verholen. Der Informationsaustausch unter den Seglern funktioniert bestens. So wissen wir nach kurzer Zeit schon einiges ueber unsere Umgebung und die Moeglichkeiten. Wir vertreten uns noch etwas unsere Seebeine und geniessen eine Nacht ohne Schaukeln. Nur ein stetes Wasserplaetschern und -gurgeln durch die Flussstroemung bedingt erinnert uns noch daran, dass unser Schiff schwimmt.

· · · ◊ ◊ ◊ · · ·

Atlantik Tag 24

17 Apr 2012

Dienstag, 17.4.2012 UTC 10.00 (Lokale Zeit Brasilien 7.00) Erwin Seit gut 2 Stunden ist es hell, Sonnenschein, wenig Bewölkung, 30 Grad Temperatur, zwischen 14 und 18 Knoten Wind SE, Maessig hohe Wellen aus SE, gutes Vorwaertskommen, scheint ein guter Segeltag zu werden ! Letzte Nacht hatten wir ebenfalls gute Segelbedingungen und gutes Vorwaertskommen. Wie seit einiger Zeit schon fahren wir meist mit gerefften(reduzierten) Segeln, doch bei diesen idealen Bedingungen laeuft es auch so. Vermutlich werden wir im Verlauf des Mittwochs wohl den oestlichsten Zipfel Brasiliens, Cabadelo, erreichen haben. Von dort noch einige Kilometer flussaufwaerts (Rio Paraiba) zur Marina in Jacare. Allerdings lohnt es sich dort fuer diese paar Kilometer die richtige Gezeit abzuwarten, gemaess Guide kann in der Springzeit (Voll- oder Neumond) die Strömung recht gross sein. Das Einlaufende Wasser wird aber im Vormittag erwartet, sodass wir eigentlich das richtige Zeitfenster treffen und mit idealen Bedingungen rechnen duerfen. Ja, so wird wohl die naechste Nacht die letzte Nacht unserer Atlantikueberquerung werden. Hoffentlich wiederum mit vielen Sternen und angenehmer Temperatur, so wie wir auch die gestrige Nacht erleben durften – Eine Nacht, wo die Sterne nur so funkelten und sogar der Mond Ruecksicht walten liess und sich erst morgens als Sichel zeigte, um dieses Sternefunkeln ja nicht abzuschwaechen. Das Kreuz des Suedens, wie in den letzten Tagen ja immer wieder zu beobachten, zeigt uns auch ohne Kompass die Himmelsrichtung an. Der Orion uebrigens, kommt auch hier im Sueden voll zur Geltung. Auf unserem Kurs liegt er tief an unserer Steuerborseite, als ob er in unser Cockpit hinein gucken moechte. Seit Beginn unserer Ueberfahrt ist er unser treuer Begleiter, als ob er wuesste, dass Jrmina und ich uns vor Jahren bei einem Astronavigationskurs kennen gelernt haben und der Orion ein Thema war. Meines Wissens ist er auch das einzige Sternbild, welches sowohl auf der noerdlichen, wie auch auf der suedlichen Halbkugel so klar zu sehen ist.

Jrmina So schoen das Segeln momentan auch ist, auf den morgigen Landfall freue ich mich ebenso. Viel Neues gibt es wieder zu entdecken, Brasilien ein riesiges Land mit fuer uns voellig unbekannten Faszetten (wir waren beide noch nie in Suedamerika). Auch bezueglich Essen lasse ich mich gerne ueberraschen. An Bord laesst sich, vor allem wenn man unterwegs ist, kein fuenfgaenge Menue herzaubern. Und unsere Frischvorraete sind seit fast einer Woche aufgebraucht. Trotzdem gibt es gelungene Ueberraschungen. Noch in Gambia habe ich frisch gekauftes Gehacktes eingemacht. Zuhause mit Shops in Reichweite und Tiefkuehlschrank braucht es dies ja nicht, aber fuer uns mit unserem nur kleinen Kuehlschrank ohne Gefrierabteil ist dies eine wirklich tolle Sache und bringt etwas Abwechslung in den Speiseplan. So gab es gestern Abend Spaghetti bolognaise vor einem wunderschoenen Sonnenuntergang.

· · · ◊ ◊ ◊ · · ·

Atlantik Tag 23

16 Apr 2012

Montag, 16.4.2012

Erwin Die offene See des Atlantik hat uns wieder. Gestern war der perfekte regnerische Sonntag. Regelmässig entluden die Wolken ihr Nass in sehr intensiver Weise, ohne grossen „Wind zu verursachen“. Für uns ergab sich ein Sonntag Morgen, so richtig zum Ausschlafen. Seit Samstag Nacht lag unser Schiff quer zur Atlantik Duenung. Manche moegen es nicht, wenn dann das Schiff auf diesen Wasserhuegeln seitlich auf und abrollt, uns aber stoerte es in diesen Momenten nicht, zu sanft waren seine Bewegungen. Und so ergab es sich, dass an diesem Sonntag Morgen, das Prasseln des Regens auf dem Dach, das Hin- und Herwiegen der Red Harlekin auf der langen Duenung, das Licht, von der See und den Wolken in eine Art grau-gruenen Ton umgewandelt, das Ufer nur unscharf im Dunst oder durch den Regenschleier zu erkennen – es perfekt war, einfach in der Koje liegen zu bleiben. Auch die Wetterprognose bestaetigten diesen Entschluss – Wind gibt es erst wieder nach Mitternacht, also in den ersten Stunden des Montags. Spaeter regte dann der Duft eines frisch gebackenen Brotes zu einem Brunch an. Nichtstun, ein wenig Lesen, Pactorversuche und hinaus aufs Meer schauen, in den Regentropfentanz auf dem Wasser sich hinein traeumen, eine Brasilianische Zigarre zu degustieren, dies alles war bis zum Abend noch angesagt. Auch der praktische Teil, unser Beiboot, hinten am Schiff haengend musste mehrere Male vom Regenwasser entleert werden, dann das spaetere Verzurren fuer die bevorstehende Ueberfahrt, das allgemeine Schiff klarmachen, die Wetterprognosen nochmals begutachten, Kurse festlegen – All dies konnte dem Sonntag das Wort Ruhetag nicht mehr streitig machen. Wie wird wohl das naechste Brasilien ausschauen ? Auf der Insel hatten wir nur nette, freundliche und aufgestellte Leute erlebt, Nachts umherspazieren war dort ueblich und risikolos, das Inselleben war nicht hektisch – aber das Leben dort war teuer, auch für die Inselbewohner selbst. Und auf dem Festland ? Bald wissen wir es.

Jrmina Totale Flaute, der Wind soll erst um Mitternacht auffrischen. Abendessen und ein Nickerchen am Ankerplatz lohnen noch allemal. Damit wir den Wind und somit das Abfahren nicht verpassen, lassen wir uns ueber den bei 10 Knoten gesetzten Windalarm wecken. Er ertoent kurz vor 23.00 Uhr. Der Himmel ist immer noch bedeckt, die Nacht stockdunkel. Dank der eingeplanten Wegpunkte ist es ein leichtes, die Insel und damit auch die geschuetzte Nationalparkzone in ausreichender Distanz zu passieren. Der Wind kommt aus Ostsuedost, wir koennten den direkten Kurs von 220 Grad nach Cabedelo segeln, vorsichtshalber und etwaige Winddreher einberechnet, koennen wir sogar ein bischen vorhalten, schaffen uns dadurch eine Reserve, damit wir am Schluss nicht gegenan muessen. Gegen Morgen machen die Wolken einem wunderschoenen Sternenhimmel Platz. Ziemlich kontinuierliche Winde, eine nicht zu grobe Welle, Sonnenschein und angenehme Temperaturen machen das Segeln heute Vormittag zu einem wahren Vergnuegen. Der Montag, ein erfreulicher Wochenbeginn. Arbeitsbeginn ?!

· · · ◊ ◊ ◊ · · ·

Sonntag, 15.April

Jrmina Gestern morgen wollten wir wie geplant ausklarieren und am Abend auslaufen, heute morgen sind wir aber immer noch hier vor Anker, nach einer ziemlich regnerischen Nacht ohne Squalls. Ja wir haben auch ausklariert, alle Stempel erhalten und die recht hohen Gebuehren bezahlt. Der letzte Beamte von der Bundespolizei meinte allerdings, das Papier erlaube uns eine Auslauffrist von 48 Stunden, wir muessten ihm nur sagen, ob wir noch bleiben moechten oder nicht, den Rest regle er dann schon fuer uns. Verdutzt schauen wir uns an…eine solche Einladung muss man schon fast annehmen…damit war aber noch nicht Schluss. Er gab uns viele nuetzliche Tipps und da er ein Musikfreak ist, waren darunter auch Lokale fuer abendliche Musikveranstaltungen. Schlussendlich begleiteten uns die zwei Polizisten zu einem netten Lunch-Lokal und chauffierten uns zu einem weiteren sehr schoenen Strand. Die Polizei, hier mehr als nur dein Freund und Helfer!( Wir nannten die Zwei spasseshalber Jerry Cotton und Phil Decker) Gestern haben wir einen Buggy gemietet, ein klappriges Teil mit einem Motor, der lieber nicht arbeitete und immer wieder abstellte, aber wir haben doch einen grossen Teil der Insel und vor allem auch die Highlights gesehen. Den in der Hitliste seit acht Jahren schoensten Strand Brasiliens haben wir besucht, und es war wirklich der Hammer. Der Zugang recht abenteuerlich und nicht jedermanns Sache. Durch eine schmale Felsspalte gings ueber eine Leiter in die Tiefe, 50 Meter weiter unten sind wir an einem faszinierenden Ort. Sauberer feinster goldgelbener Sand, bizarre Felsformationen mit viel gruen und verschiedensten Voegeln, absolut klares tuerkisfarbenes Wasser mit spannender und nicht zu heftiger Brandungswelle und dazu kaum Leute…wir geniessen unser erstes Bad im warmen Suedatlantik. Bucht liegt hier neben Bucht an der geschuetzteren Nordseite der Insel. Die Qual der Wahl. Auf dem Kuestenwanderweg spazieren wir zu einigen anderen Buchten, treffen immer wieder interessante Leute. Es hat nicht sehr viele Touristen, alles Brasilianer, dafuer einige Leute, die hier in diesem Naturschutzgebiet zu Studienzwecken arbeiten, Delfinverhalten beobachten und Zaehlungen durchfuehren. Wir haben schon viele Delfine gesehen. Gestern morgen frueh war unser Schiff umgeben von ueber 100 kleineren und groesseren Exemplaren. Ein toller Anblick. Am Abend dann noch einen perfekten Sonnenuntergang in sehr nettem Ambiente, einem schoen gelegenen Lokal oberhalb des Hafens, ein wundervoller und aeusserst abwechslungsreicher Tag mit perfektem Abschluss. Heute ist Abend aber definitv Zeit zum Weiterziehen, weiter nach Suedwesten, bei Cabedelo in einen Flusslauf, dort liegt die Marina von Jacare. Vielleicht sind dort die Funkverbindungen auch wieder besser, momentan ist es doch recht schwierig, Mails zu empfangen und zu senden.

· · · ◊ ◊ ◊ · · ·

Atlantik Tag 19

12 Apr 2012

Donnerstag 12.4.2012 Erwin Der Wind scheint uns doch zu moegen. Obwohl er immer wieder in Staerke und Richtung seine Meinung aenderte, behiehlt er im Allgemeinen die fuer uns nuetzliche Richtung ein und auch ueber seine Staerke durften wir nicht klagen. Naechtliche Squalls liessen uns zwischendurch Segelkorrekturen vornehmen, doch wir bekamen beide dennoch genuegend Schlaf. Herrlicher Gefuehl auf die Insel Fernando do Noronha unter Segel zu laufenzu koennen. Anker down um 12.00 in tiefblauem Wasser. Jetzt, abends erst sind wir von unserem ersten Landgang zurueck. Konnten uns sogar bereits fuer die naechsten 3 Monate einklarieren (miit Espresso !), haben auch bereits Geld aus einem Automaten gezogen, sind Spazieren gegangen, Inselbus gefahren und haben ein brasilianisches Bier getrunken. Mal sehen, wei wir heute Nacht, ohne unterwegs zu sein, wohl schlafen.

· · · ◊ ◊ ◊ · · ·

Atlantik Tag 18

11 Apr 2012

Mittwoch, 11.April Jrmina Die Squalls werden langsam seltener, letzte Nacht hatten wir nur noch eine. Der Wind blaest mit 15-20 Knoten, nur in der Richtung ist er sich nicht einig. Mal kommt er aus Sueden, dann dreht er wieder zurueck bis auf Nordost. Und wir wollen nach Suedsuedwest! Wir segeln mit dem Windpiloten, d.h bei dieser Art Autopilot wird nicht fix der Kurs eingegeben sondern der Winkel zum Wind. Aendert die Windrichtung, fahren wir damit automatisch auch einen anderen Kurs (bei Winddrehern ueber 15 Grad ertoent ein Alarm). Dafuer ist die Segeleinstellung immer optimal und bei „am Wind Kursen“ holt man das Maximum an „hoch am Wind laufen“ heraus. Wir muessen momentan moeglichst hoch am Wind fahren, sonst verpassen wir das schon in Reichweite gelangte Inselgebiet von Fernando do Noronha. So wird aus unserer Fahrt ein richtiger Zickzack Kurs, verbunden mit der Hoffnung, dass der Wind endlich so blaest, wie er eigentlich sollte, aus Suedost bis Ost! In der Nacht schlaeft der Wind teilweise ganz ein, Fahrt machen wir nur noch mit der Stroemung, 1 Knoten (1 Seemeile pro Stunde) nach Westen – falsche Richtung, damit treiben wir nach Mittelamerika. Und selbst wenn die Richtung stimmen wuerde, bedeutete dies in 24 Stunden ein Etmal von 24 Seemeilen! Bis zu den Inseln sind es gerade noch 100 Seemeilen. Erwin und ich sind bezueglich wie weiterfahren nicht derselben Meinung…mich locken die Inseln, Erwin stoert das Motorengeraeusch. So hilft der Motor ueber die schlimmste Flaute in den Morgenstunden hinweg. Im spaeteren Vormittag endlich wieder eine leichte Brise….aus Nordwest! Es wird wieder gesegelt und unsere Hoffnung auf Wind bleibt! Erwin Ja, die Hoffnung ! Die Windvorhersagen koennen hier nicht zuverlaessig sein, das haben wir ja bereits erlebt ! Jetzt aber hat der Wind davon Wind gekriegt und scheint den Vorhersagen also ploetzlich wieder zu gehorchen. Pech für uns. Falsche Richtung und nur 2 bis 3 Knoten. Also doch Motor an ? Ein wenig warten wir noch !

· · · ◊ ◊ ◊ · · ·

Atlantik Tag 17

10 Apr 2012

Dienstag 10.4.2012 UTC: 13.00; Zeit Schweiz: 15.00; Zeit Brazil: 10.00

Erwin Noch etwa 150 Seemeilen bis Fernando do Noronha. Wir versuchen den Kompromis zwischen wenig Bealstung fuer den Mast bei maximal moeglicher Geschwindigkeit mit idealem und angenehmen Kurs durch die Wellen und Duenung aber auch mit einer Sicherheitsmarche im Hinblick, die Insel sicher mit raeumlichem oder halben Winden und Segelstellungen jederzeit sicher zu erreichen. Nicht ganz einfach, denn noch immer drehen die Winde um mehrere Gradzehnte. Aber postiv ist schon mal, dass wir die letzten Stunden immer Windstaerken von 15 und 20 Knoten verzeichnen konnten und somit doch noch Tages-Etmals von 60 bis 70 Seemeilen zuruecklegen. Allerdings auf Mittwoch sind schwaechere Winde angesagt, doch heute ist ja erst Dienstag ! Auch in der letzten Nacht gab es wieder Squalls, einer jedoch wollte es wissen. Der Wind starb fast gaenzlich, 4-5 Knoten, das Schiff verlangsamte bis fast auf Null, es war stockdunkel, kein Mond zu sehen. dann ploetzlich wieder action, Windzunahme auf 25 und dann auf 30 Knoten. Die Red harlekin schoss vorwaerts, nahm Fahrt auf, der Regen begann heftig aufs Deck nieder zu schmettern, und es schien, als ob keine Welle mehr die Harlekin vor einer Rauschfahrt stoppen konnte. Mit 2 Reff im Grosssegel und halb eingerollter Genua, eine Schussfahrt durch eine stockdunkle Nacht. Es war faszinierend und haetten wir nicht immer unseren Patienten „mast“ im Hinterkopf, waere diese Fahrt besser zu geniessen gewesen. So aber, raus in den Regen und eine Verkleinerung der Genua vornehmen. Bei heftigen Winden machen wir dies zu zweit. Eigentlich alles Routine, doch dieses mal hat sich die im Luv (Windzugewandte Seite) befindliche Genuaschot selbststaendig gemacht (wo war der dagegen vorgesehene Achterknopf ?) und kam bei diesen Windstaerken im Lee (Windabgelegene Seite) ins Hin- und herschlagen. Gluecklicherweise verfing sie an der Leeseitigen Schot, wickelte sich zig-Mal herum und konnte aber dadurch auch leichter wieder gepackt, entzurrt und gesichert werden. Eine perfekte Nachtdusche war mir da wieder einmal gegönnt. Anschliessend beruhigte sich auch die Windsituation ein wenig, die nachfolgende Squalls waren leicht hin zu nehmen und verhalfen uns auch wieder Meilen an unser Ziel naeher zu kommen, nur noch einmal musste der schlafende Partner geweckt werden um benötigte Segelkorrekturen gemeinsam durchzuführen.

Jrmina Ich dusche lieber ohne Action…….. Noch etwas zu unserem Wachrythmus. Erwin hat ihn ja schon beschrieben bei der Ueberfahrt auf die Kapverden (Tag 9). Wir behalten ihn immer noch so bei, er entspricht uns sehr. Seit wir von Gambia abgelegt und uns aus der Fischereizone entfernt haben sind nur noch Frachtschiffe unterwegs, alle ausgestattet mit AIS. Das erlaubt uns bei steten Winden die Naechte sehr ruhig zu nehmen, die Eieruhr wird je nachdem bis zu 50 Minuten eingestellt. Einzig das Durchfahren der Schifffahrtsstrassen erfordert mehr Aufmerksamkeit und jetzt halt eben diese vielen Squalls. So halten wir momentan auch einen kurzen Mittagsschlaf, damit wir die etwas „strengeren“ Naechte kompensieren koennen.

· · · ◊ ◊ ◊ · · ·

Atlantik Tag 16

09 Apr 2012

Montag, 9.4.2012

Jrmina Wie eine Fata Morgana taucht sie aus dichtem Wolken verhangenem Himmel auf, ein Frachtschiff, die MS Bach. Sie scheint weit entfernt an uns vorbeifahren. Minuten spaeter ein zufaelliger Blick ueber den Bug, nein doch nicht. Sie ist jetzt sehr nahe und scheint ca. 500 Meter hinter uns durchzugehen. Wir werfen einen Blick auf das AIS und rufen das Schiff auf. Eine freundliche Stimme antwortet und fragt uns, ob wir „assistance“ braeuchten. Nett, aber nein danke, bei uns ist alles bestens. Mit einem sonoren, wohlklingenden Hornklang begruesst und verabschiedet sie sich, faehrt weiter Richtung Mittelmeer. Uns auf dem Schiff bewegen ist momentan eine echte Herausforderung an das Balancegefuehl. Alles muss sicher deponiert werden, sonst huepft oder rutscht es unweigerlich davon. Der Wind und die Duenung machen einen richtigen Wellencocktail….einer zum Trinken waere uns lieber, aber so richten wir uns dementsprechend ein. Mit unserer reduzierten Segelflaeche geht es langsam weiter. So halten sich die seltsamen und ungemuetlichen Geraeusche vom Mastfuss her kommend im Rahmen, das Rigg wird weniger belastet. Gleichzeitig ist es auch entspannteres Segeln. Die Windstaerken Zunahme passiert bei den Squalls in Sekundenschnelle von fast null auf meist ca. 25, selten 30 Knoten. Zum Reffen bliebe da wenig Zeit. Das Wellenbild wird nicht veraendert, aber deutlich angenehmer, da wir mit hoeherer Geschwindigkeit durchfahren. Die Squalls bringen uns trotzdem zum Schwitzen. Das ganze Cockpit muss zugemacht werden. Kein Regen drin, dadurch aber natuerlich auch keine angenehme Luftbrise mehr. Und das bei einer Lufttemperatur von ueber 30° und einer Luftfeuchtigkeit von teilweise ueber 80%! Die Temperaturen sinken auch nachts nicht mehr unter 25°, die warmen Kleider brauchen wir schon seit einigen Naechten nicht mehr.

Erwin Gestern Nacht gab es Tunafisch (von Peter und Paul) in Folie mit Backofen zu bereitet, dazu ein wuerziges Risotto. Nur der Wein fehlte – bei Nachtarbeit sollte man ja auch keinen Alkohol zu sich nehmen, zudem ist Regenwasser ebenfalls geniessbar und in dieser Nacht auch reichlich vorhanden.

· · · ◊ ◊ ◊ · · ·

Atlantik Tag 15

08 Apr 2012

Ostersonntag, 8.4.

Jrmina Reich beschenkt ziehen wir von dannen. Nicht nur die sehr nette Begegnung mit den drei jungen brasilianischen Forschern Fernanda, Leandro und Igor hat uns beeindruckt, wir wurden auch noch versorgt mit frischen Fruechten, Gemuesen und Fisch. Doch bevor wir unsere Leine vom Fischerboot loesen, moechten wir noch unser Mail (Reisebericht) versenden. Aber das Funkfenster fuer den Pactorbetrieb ueber die Schweiz ist angesichts der Zeit (Sonnenstand Schweiz) schon zu. Die Nacht verlaeuft mit sehr wechselnden Windverhaeltnissen. Viele Dreher und die Staerken variieren ebenso. Unser Kurs zu dem Archipel von Fernando do Noronha liegt relativ hoch am Wind – der Wind hat auf Suedost bis Suedsuedost gedreht, unsere Destination hat Kurs 213 Grad, also Suedwesten. Somit sind wir diese Nacht etwas mehr mit der Segelei beschaeftigt, verkleinern oder vergroessern wieder unsere Segelflaechen diverse Male. Aufs Ostereier suchen verzichten wir heute, nicht aber aufs Fruehstuecksei. Zur Abwechslung gibt es auch wieder mal frisch gebackenes Brot aus der heimischen Baeckerei, also ein richtiges Ostersonntag Zmorge. Um UTC 12.40 ist es dann soweit, der gespannt erwartete Moment ist da, wir ueberqueren den Aequator. Auf dem Navigationsgeraet wechselt die Breitenangabe auf Sued, wir stossen an, das wars. Das Wetter bleibt gleich freundlich, die Winde sind immer noch moderat und auch die Wellen schaukeln uns weiterhin wie gehabt. Erwin Fuer mich hatte diese Insel auch noch nebenbei ein weiteres Vergnuegen, denn ein Funksignal absetzen zu koennen von der Insel Peter und Paul, mit Rufpraefix PY0S ist nicht ganz selbstverstaendlich und ermoeglicht Amateurfunkern auf der ganzen Welt dieses „Land“ Peter und Paul ihre Sammlung fuer erfolgreiche QSO in aller Welt Laender zu vervollstaendigen. Auf Grund der zu erwartenden guenstigen Segelbedingungen und den nicht optimalen Liegebedingungen für das Schiff, wollten wir jedoch weiter. Noch haben wir bis Fernando do Noronha ein wenig mehr als 300 Seemeilen hinter uns zu bringen. Ein in der Nacht auftretendes Geraeusch am Mastfuss laesst uns schlussendlich endgueltig die Segelflaechen verkleinern. Eigentlich schade, denn fuer unsere Red Harlekin scheinen unsere Winde hier von 15 bis 25 Knoten Staerke eigentlich ideal für ein gutes Vorwaertskommen zu sein aber bereits diese Winde lassen eine volle Besegelung nicht mehr zu. So waehlen wir den sicheren Weg – lieber langsamer mit Mast nach Jacare als schneller und dabei vielleicht auf halben Weg einen Mastschaden welcher uns zu noch mehr Langsamkeit verdammt. Langsamkeit hat auch Vorteile, es haelt uns laenger auf hoher See und hier gefaellt es uns noch immer.

· · · ◊ ◊ ◊ · · ·