Atlantik Tag 14

07 Apr 2012

Samstag 7.4.2012 (Der Versand klappte leider Samstag nicht mehr) Erwin, UTC, 14.30 Noch sind wir nicht da, doch kurz vor UTC 12.00 haben wir nach 13 Tagen wieder Land vor Augen. Kleine Felsspitzen ganz in der Ferne. ca 8 Seemeilen vor uns, zeichnen sich hie und da am Horizont ab. Hie und da deshalb, weil die Wellen immer wieder die Sicht darauf verdecken. Ganz einfach war es nicht diese zu finden. Wie bereits gesagt existieren sie auf unseren elektronischen Karten aus irgend welchen Gruenden nicht. Auf einem Papieruebersegler waren sie enthalten und auf einer elektronischen Kopie einer Paierkarte hatten wir sie ebenfalls, aber ohne Detail und genauen Angaben. Eine Mail von einem Amateurfunkerfreund gab mir einen Wegpunkt, also nichts wie hin. Squals schienen die ganze Nacht und am Morgen unsere Plaene zu verhindern und die Sicht war teilweise nicht klar. Und dann, im ersten Morgenlicht hiess es wieder einmal Gegenan. Natuerlich wussten wir, dass nur der Motor uns diesen Kurs zu Insel ermoeglicht, doch unsere Batterievorraete haetten ebenfalls nach einigen Motorstunden geschrieen. aber, es kam einfach keine Insel in Sicht… Was lief hier falsch ? Es war wieder Zeit, unsere 10.00 Uhr Funk-Runde mit andern Segler und dem Seelotsen zu halten. Uebrigens Thomas kann morgen Nacht endlich durchschlafen, er wird am Vormittag in Bequie seinen Landfall haben (4 Wochen und einen Tag, Einhand, ohne Autopilot und ohne richtig geschuetztem Kockpit, eine Mordsleistung). Ich stellte die Frage, wo ist „Peter und Paul“. Die Anwesenden nahmen diese Frage auf, Google Earth, Seekarten, Handbuecher wurden zu Rate gezogen. Mehrere Aerzte, mehrere Antworten. Scheinbar gibt es Karten, in denen die Position dieser Insel anders angegeben wird. 50 Meilen seien wir zu weit Noerdlich. ! 50 Meilen gegen den Wind und Wellen, auch mit Motor, das ist uns zu viel, bis dann waere unser Schiff wohl in Stuecke gebrochen. Abbruch – weiter nach Sued-Westen Richtung Brasilien ?! Doch Hannes, ein oesterreichischer Katamaran-Segler, zu Zeit auch auf dem Atlantik, auf dem Weg in die Karibik, hat da aber ganz andere Information. Gemaess unseren Positionsangaben sind wir nur noch 10 Seemeilen zu noerdlich und haetten somit gute Chancen, diese Insel doch noch zu finden. Wir erhielten den gewuenschten Wegpunk der Festmacherboje. Weitere Segler suchten daraufhin ebenfalls in ihren Unterlagen, konnte diese Angaben bestaetigen. Also weiter auf Inselsuche, immer noch Gegenan, dieses Mal aber wieder mit Hoffnung, fuendig zu werden. Durch Squals hindurch oder daneben vorbei, holperten wir mit Richtung 120 Grad. Ja, 90 Minuten spaeter ! Haben diese Felsspitzen den Namen weil sie von weitem an die Kathedralen erinnern ? Hannes, und allen beteiligten Helfer, ein Dankeschoen, ein Bier sei Euch bei einem Treffen gewiss.

Jrmina, UTC 18.00 Nach einem gemuetlichen Karfreitagsnachmittags Segeln mit einigen harmlosen Woelkchen haette eine Vollmond beschienene Nacht folgen sollen. Vollmond war, aber viel sahen wir nicht von ihm. Eine Squall jagte die naechste, wir mussten aufhoeren mit Regenwasser sammeln, unsere Tanks sind propenvoll. Heute morgen ging es munter so weiter und wir suchen die Nadel im Heuhaufen. Ein kleines Inselchen, genannt Peter und Paul, mitten im Atlantik. Endlich Land in Sicht, wie wunderbar. Ueber Funk melden wir unseren Besuch an und bitten um Erlaubnis, unseren Fuss auf brasilianisches Land begeben zu duerfen. Die Insel hat nur eine sehr kleine und recht ungeschuetzte Bucht, auch fuer unser Boetchen zu eng. So tasten wir uns ans Heck des Fischerbootes, das vor der Insel an einer Festmachertonne haengt. Wir werden freundlich und neugierig begruesst, unsere Bugleine wird entgegengenommen und am Fischerboot belegt. Besucher sind hier wohl nicht alltaeglich. Mit dem Beiboot der drei Inselbewohner werden wir abgeholt. Auf der Insel wird eine Forschungsstation betrieben. Geforscht wird in Meeresbiologie und ueber Verhaltensweisen von zwei hier vorkommenden Haiarten. Damit belegt Brasilien seinen Besitzanspruch auf dieses Eiland. Die Marine unterstuetzt dieses Team, indem sie den ganzen Support unterhaelt, die Leute auf die Insel bringt und sie mit allem versorgt und auch bei deren Forschungsarbeiten unterstuetzt (u.a. Tauchausfluege und Haie mit Markierungen versehen). Die jungen Leute bleiben in der Regel 15 Tage im einzigen kleinen Haus. Stromversorgung wird ueber Solarpaneele auf dem Dach erzeugt. Aber auch diese bringen kaum die volle Leistung, zuviele Voegel entledigen sich ihrer Notdurft darauf, wohl Sysiphusarbeit, die immer clean zu halten. Sogar Eier werden darauf ausgebruetet. Ja die kleine Insel ist ein Vogelparadies und momentan gerade Brutzeit. Wir muessen uns beim von der ganzen Belegschaft begleiteten Rundgang vor den scharfen Schnaebeln der werdenden Muetter in acht nehmen. Ein kurzer Besuch noch bei uns auf dem Schiff, bevor sie ihre Alltagsarbeit wieder aufnehmen. Wir trafen uns als Fremde vor einigen Stunden und verabschieden uns wie Freunde. Fuer uns wird dieser Besuch unvergessbar bleiben.

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Atlantik Tag 14

07 Apr 2012

Samstag 7.4.2012 Erwin, UTC, 14.30 Noch sind wir nicht da, doch kurz vor UTC 12.00 haben wir nach 13 Tagen wieder Land vor Augen. Kleine Felsspitzen ganz in der Ferne. ca 8 Seemeilen vor uns, zeichnen sich hie und da am Horizont ab. Hie und da deshalb, weil die Wellen immer wieder die Sicht darauf verdecken. Ganz einfach war es nicht diese zu finden. Wie bereits gesagt existieren sie auf unseren elektronischen Karten aus irgend welchen Gruenden nicht. Auf einem Papieruebersegler waren sie enthalten und auf einer elektronischen Kopie einer Paierkarte hatten wir sie ebenfalls, aber ohne Detail und genauen Angaben. Eine Mail von einem Amateurfunkerfreund gab mir einen Wegpunkt, also nichts wie hin. Squals schienen die ganze Nacht und am Morgen unsere Plaene zu verhindern und die Sicht war teilweise nicht klar. Und dann, im ersten Morgenlicht hiess es wieder einmal Gegenan. Natuerlich wussten wir, dass nur der Motor uns diesen Kurs zu Insel ermoeglicht, doch unsere Batterievorraete haetten ebenfalls nach einigen Motorstunden geschrieen. aber, es kam einfach keine Insel in Sicht… Was lief hier falsch ? Es war wieder Zeit, unsere 10.00 Uhr Funk-Runde mit andern Segler und dem Seelotsen zu halten. Uebrigens Thomas kann morgen Nacht endlich durchschlafen, er wird am Vormittag in Bequie seinen Landfall haben (4 Wochen und einen Tag, Einhand, ohne Autopilot und ohne richtig geschuetztem Kockpit, eine Mordsleistung). Ich stellte die Frage, wo ist „Peter und Paul“. Die Anwesenden nahmen diese Frage auf, Google Earth, Seekarten, Handbuecher wurden zu Rate gezogen. Mehrere Aerzte, mehrere Antworten. Scheinbar gibt es Karten, in denen die Position dieser Insel anders angegeben wird. 50 Meilen seien wir zu weit Noerdlich. ! 50 Meilen gegen den Wind und Wellen, auch mit Motor, das ist uns zu viel, bis dann waere unser Schiff wohl in Stuecke gebrochen. Abbruch – weiter nach Sued-Westen Richtung Brasilien ?! Doch Hannes, ein oesterreichischer Katamaran-Segler, zu Zeit auch auf dem Atlantik, auf dem Weg in die Karibik, hat da aber ganz andere Information. Gemaess unseren Positionsangaben sind wir nur noch 10 Seemeilen zu noerdlich und haetten somit gute Chancen, diese Insel doch noch zu finden. Wir erhielten den gewuenschten Wegpunk der Festmacherboje. Weitere Segler suchten daraufhin ebenfalls in ihren Unterlagen, konnte diese Angaben bestaetigen. Also weiter auf Inselsuche, immer noch Gegenan, dieses Mal aber wieder mit Hoffnung, fuendig zu werden. Durch Squals hindurch oder daneben vorbei, holperten wir mit Richtung 120 Grad. Ja, 90 Minuten spaeter ! Haben diese Felsspitzen den Namen weil sie von weitem an die Kathedralen erinnern ? Hannes, und allen beteiligten Helfer, ein Dankeschoen, ein Bier sei Euch bei einem Treffen gewiss.

Jrmina, UTC 18.00 Nach einem gemuetlichen Karfreitagsnachmittags Segeln mit einigen harmlosen Woelkchen haette eine Vollmond beschienene Nacht folgen sollen. Vollmond war, aber viel sahen wir nicht von ihm. Eine Squall jagte die naechste, wir mussten aufhoeren mit Regenwasser sammeln, unsere Tanks sind propenvoll. Heute morgen ging es munter so weiter und wir suchen die Nadel im Heuhaufen. Ein kleines Inselchen mitten im Atlantik. Endlich Land in Sicht, wie wunderbar. Ueber Funk melden wir unseren Besuch an und bitten um Erlaubnis, unseren Fuss auf brasilianisches Land begeben zu duerfen. Die Insel hat nur eine sehr kleine und recht ungeschuetzte Bucht, auch fuer unser Boetchen zu eng. So tasten wir uns ans Heck des Fischerbootes, das vor der Insel an einer Festmachertonne haengt. Wir werden freundlich und neugierig begruesst, unsere Bugleine wird entgegengenommen und am Fischerboot belegt. Besucher sind hier wohl nicht alltaeglich. Mit dem Beiboot der drei Inselbewohner werden wir abgeholt. Auf der Insel wird eine Forschungsstation betrieben. Geforscht wird in Meeresbiologie und ueber Verhaltensweisen von zwei hier vorkommenden Haiarten. Damit belegt Brasilien seinen Besitzanspruch auf dieses Eiland. Die Marine unterstuetzt dieses Team, indem sie den ganzen Support unterhaelt, die Leute auf die Insel bringt und sie mit allem versorgt und auch bei deren Forschungsarbeiten unterstuetzt (u.a. Tauchausfluege und Haie mit Markierungen versehen). Die jungen Leute bleiben in der Regel 15 Tage im einzigen kleinen Haus. Stromversorgung wird ueber Solarpaneele auf dem Dach erzeugt. Aber auch diese bringen kaum die volle Leistung, zuviele Voegel entledigen sich ihrer Notdurft darauf, wohl Sysiphusarbeit, die immer clean zu halten. Sogar Eier werden darauf ausgebruetet. Ja die kleine Insel ist ein Vogelparadies und momentan gerade Brutzeit. Wir muessen uns beim von der ganzen Belegschaft begleiteten Rundgang vor den scharfen Schnaebeln der werdenden Muetter in acht nehmen. Ein kurzer Besuch noch bei uns auf dem Schiff, bevor sie ihre Alltagsarbeit wieder aufnehmen. W“Blog Red Harlekin“ ir trafen uns als Fremde vor einigen Stunden und verabschieden uns wie Freunde. Fuer uns wird dieser Besuch unvergessbar bleiben.

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Atlantik Tag 13

06 Apr 2012

Karfreitag, 16.4.2012 Erwin Ich habe mal den sarkastischen Spruch gelesen (stand lange an der Stuetzmauer bei der Bahnunterfuehrung im Sedel, geschrieben glaube ich von einer ehemaligen Nationalraetin, „Mitteilung an die Armen, auch wir essen Freitags nur Fisch !“ Zwischenzeitlich hat die arme Bevoelkerung, auch an den Kuesten, oft nicht ein mal mehr Fisch als Mahlzeit ! Doch bei uns ist die Leine jetzt draussen, ob es etwas bringt, wir sich ja zeigen. Das Wasser ist wieder klar, die teilweise grossen flaechedeckenden Algen oder Pflanzenteppiche zeigen sich nicht mehr. Einen mussten wir gestern durchfahren,dass Schiff produzierte sofort ein anderes Geraeusch, es fühlt sich auch so an, als ob man ueber Watte faehrt. Der besagte Squal von gestern war auch eigentlich der letzte „brauchbare“ (eigentlich das falsche Wort, denn 40 Knoten in der Spitze war ja wirklich in diesem Moment nicht brauchbar) Wind, seitdem tuempeln wir in so Windstaerken zwischen 4 und 10 Knoten. Fuer die Red harlekin zu wenig – wir stellen uns auf langsames Vorwaertskommen ein, denn es sollte gemaess Prognose fuer die naechsten 2 Tage leider so bleiben. Etwa 60 seemeilen vor uns waere da noch eine Felsengruppe, mitten im Atlantik. Sie nennt sich „Peter und Paul“ (passt zu Ostern !), gehoert den Brasilianern und ist mit 4 oder 5 Soldaten bewohnt. Dienstzeit jeweils einen Monat. Es sollte da eine enge Bucht geben und eine Boje für ein Versorgungsschiff. Bei ruhigem Wetter koenne man da anlegen. Eigentlich moechten wir diesen Herren einen Besuch abstatten und ihren Alltag ein wenig umkrempeln, doch mit den jetzigen Winden ist es schwierig, abzuschaetzen, ob wir diese Felsengruppen bereits nachts oder dann doch erst tagsueber erreichen und wie dann die Wetterverhaeltnisse sein werden. So werden wir uns dann zur gegebener Zeit halt kurzfristig fuer einen Besuch entscheiden muessen. Hatten wir letzte Nacht sehr wenig Wind, so konnten wir aber die naechtliche Stimmung voll geniessen und in uns aufnehmen. Vollmond, 26 bis 28 Grad Lufttemperatur, halb bedeckter Himmel, der in seinen wolkenlosen Flaechen und wegen dem hellen Mondlicht nur die ganz hellleuchtenden Sterne zeigt, einige Sternenbilder als Liveshow praesentierte. Und, da soweit schon im Sueden, etwa 100 Seemeilen, vom Aequator noch entfernt, stehen diese Sternbilder fuer uns in ungewoehnlichen Positionen. Heute Morgen begegneten wir einem Fischerboot, das sein Glueck in den Weiten dieses Atlantik sucht und sonst….. Ruhe, Ruhe und Ruhe, ein wenig das Schlagen der Segel, das Plaetschern des Wassers unter unserem Schiff durch und das Piepsen des Auto-Windpiloten, welcher wieder anzeigt, dass die angezeigten paar Knoten Wind sich in ihrer Richtung wieder einmal mehr um 15 Grad verschoben haben. … und, ein wenig schneller sind wir soeben wieder geworden, wir fahren mit 1.7 Knoten, das sind doch schon wieder 3 Km schnell.

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Atlantik Tag 12

05 Apr 2012

Mittwoch 5.4.2012 Nachmitag Erwin Ab heute werden wir wohl ein wenig langsamer unterwegs sein. Wir haben unsern Blister „verloren“. dies ist natuerlich jammerschade, denn unsere Genua (normalees Vorsegel) ist bei raeumlichen Kursen (Wind von hinten) nicht sehr zugfreudig und wir bewegen uns damit eigentlich nur langsam vorwaerts, so dass wir, wenn immer möglich, den Blister (Balon-Segel) eingesetzt haben. Obwohl ich fast jeden Abend einen kleine Auseinandersetzung mit ihm hatte, er wollte oben bleiben und liess sich den Blisterstrumpfschlauch nie gerne rueberziehen. Und wenn dann die Winde ein wenig kraeftiger bliesen, gab es zwischen Jrmina und mir auf der einen Seite und dem Blister auf der andern Seiten immer einen kleinen Kampf, der sich nur in Kombination von List seitens Segelfuehrung und Steuerung des Schiffes und Kraftaufwand meinerseits (Mein Koerpergewicht durfte ich jeweils dazu zaehlen) gewinnen liess. Die Gruende dazu sind zum einen bei der knapp bemessenen Spiesackoeffung zu suchen und auch dem Zustand zu zu schreiben, dass auf der Red Harlekin der Blisterkopf relativ weit vor dem Mast gefahren wird (was wir nach der Ankunft in Brasilien noch aendern wollten). Heute dachten wir es sei moeglich, die gemachten Erfahrungen der letzten Tage mit Squals,(max. Windgeschwindigkeiten von 24 Knoten und Spitzen nur von kurzer Dauer) sprechen nicht dagegen und für eine kurze Zeit zwischen 20 und 25 Knoten Wind den Blister in Kontrolle zu halten möglich und ohne die Rumpfgeschwindigkeit dabei zu ueberschreiten. Doch es kam anders. Eben, die Natur, welche das Segeln ja auch so erlebnisreich macht, hat ihre eigene Regeln. Auch die Vorhersage „schwachwindig“ bestätigt sich heute nicht. Zur Zeit segeln wir in Sonnenstrahlen unter einer aufgelockerte Bewölkung, Wassertemperatur um die 30 Grad (wir gehen aber (noch) nicht baden) mit Wind um 15 bis 20 Knoten.

Jrmina Ja diese Regeln der Natur sind nicht immer ersichtlich und daher auch nicht immer einfach einzuschaetzen. Das Wetter, nach einer extrem windarmen Nacht, fast treten an Ort, sah heute morgen freundlich aus. Sonne mit nur geringer Bewoelkung. Also hoch mit dem Blister, damit wir endlich wieder vorwaertskommen. Der Wind nimmt stetig leicht zu, wir gewoehnen uns an das angenehme Segeln und die Geschwindigkeit. Vorne wird es etwas dunkler, aber nicht bedrohlich. Allerdings aendert sich die Windstaerke sehr schnell und ueberraschend nach oben. Blister runternehmen, wir wissen, wie schwierig dies bei Windstaerken knapp ueber 20Kt sein kann. Gestern Abend hatten wir eine solche Uebung und kurz darauf war der Wind weg und wir haetten den Blister ganz komfortabel bergen koennen. Erfahrungen praegen bekanntlich. So dachten wir heute, kurz ein bischen mehr Wind und dann ist es wieder ruhig. Weit gefehlt. Aus dem kurz wurde ueber eine halbe Stunde Starkwind. Zum Glueck war keine hohe Welle. So flog die Red Harlekin quasi uebers Wasser. Eigentlich haette es fast Spass gemacht, wenn die Gewissheit vorhanden gewesen waere, dass das Material dies alles aushaellt. Kurze Zeit spaeter wussten wir es, das Fall hat zuoberst im Masten dem hohen Druck nicht standgehalten. Ein Knall und der Blister fliegt ins Wasser. Mit diesem Bremser sinkt unser Speed auf Null. Der kleine Fetzen der sofort gehissten Genua hilft auch nicht viel und Steuern ist nicht moeglich, da die Blisterleinen sich auch mit dem Ruderblatt angelegt haben. Den Blister aus dem Wasser zu kriegen – eine „Riesenbuez“ fuer uns beide. Dazu nun auch noch sintflutartiger Regen. Kaum ist das Segel an Bord, beruhigt sich das Wetter wieder zu voellig normalen Verhaeltnissen. 10 Minuten laenger haette das Fall halten muessen und unser Blister haette alles heil ueberstanden – aber eben, haette. Aber auch so sind wir gluecklich, es haette ja noch schlimmer ausgehen koennen. So haben wir jetzt nur einfach keinen Blister mehr!

Fazit Erwin Nach der Aktion Blisterbergen waren wir pudelnass und einige Erfahrungen reicher, aber einen Blister aermer…. jedoch noch immer gesund und munter. Die Red Harlekin hat sich gut geschlagen (was mich fast ein wenig erstaunte !) das Rigg hat diesem grossen Druck gut gehalten, erhielt aber auch nicht all zu grosse Schlaege, da wir recht aus dem Wasser fuhren und auch die Wellen nicht steil waren und keine 2 Meter erreichten. Nur zwei Mal haben wir die Wasserlinie unterschnitten und dabei das Deck gewaschen. Dass dies bei dieser Geschwindigkeit nicht oefter geschah, ist vermutlich wohl auch der negativen Bugform der Prout zu verdanken und unserer Sorgfalt, alle schweren Sachen von Vorne im hintern Teil des Schiffes zu verstauen. Und im Nachhienein…., wenn mehr oder weniger heil ueberstanden – mit dieser Geschwindigkeit uebers Wasser zu flitzen hat auch seine Faszination. Zudem… es hat sich ein mal mehr gezeigt, dass wir in schwierigen Situationen cool bleiben und gut zusammenarbeiten.

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Atlantik Tag 11

04 Apr 2012

Mittwoch, 4.April

Jrmina Letzte Nacht, der Wind zeigt sich nicht gerade von der blasfreudigen Seite – die Wellen sind langezogen, aber wie gewohnt etwa ca. 2 Meter hoch und schieben unser Heck hin und her. Die Red Harlekin duempelt so vor sich hin, eine hin und her schlagende Genua nervt. Ich beklage mich bei Erwin. Keine 5 Minuten spaeter surfen wir mit den Wellen ruhig dahin, wow, so macht es Spass. Fuehlte sich da jemand beleidigt?? Heute morgen setzen wir trotz hohem Bewoelkungsanteil den Blister. Wir moechten wieder etwas schneller vorwaertskommen, nur mit der Genua ist das fast nicht moeglich. Die Schiffsfuehrung benoetigt etwas Konzentration. Immer wieder beeinflussen heftige Winddreher unseren Kurs und wir moechten ja auch die Squalls umschiffen, heftige tropische Regenguesse mit hoeherem Windaufkommen. Ab und zu gibt es trotzdem einen kurzen Wolkenbruch, mit nur moderater Windzunahme. Unsere Wassertanks fuellen sich ohne die doch stromfressende Wasserentsalzungsanlage. Und Strom sparen ist auch bei uns angesagt. Durch die Bewoelkung der letzten zwei Tage konnten unsere vier Solarpaneels ihre volle Leistung nicht bringen. Ohne den Windgenerator haetten wir wohl schon lange den Motor anwerfen muessen (seit unserer Hinausfahrt aus dem Gambia River Muendungsbereich durfte er Ferien machen). Aber auch der Windgenerator arbeitet bei sehr schwachen raeumlichen Winden nicht. So hoffen wir auf wieder mehr Sonnenschein und einen ausgewogenen Mix von Wind aus der richtigen Richtung, Regen und Sonne. Erwin In meiner Nachtwache muckste der Wind nicht mehr, blies kraeftig und konstant. Wir machten gute Fahrt. Jrmina fuehrte diesen Vormittag die Red Harlekin mit Bravour und konnte einige schwarzen Wolken elegant umfahren. Ich hatte mich nach dem Blistersetzen ein wenig zurückgezogen, eine kleine Erkaeltung mit Kopfschmerzen schraenkt ein – Ein tiefer Schlaf in der Vorkoje, mit sanftem Einwiegeln, wirkte Wunder. Kurz vor Mittag erreichten wir die Seemeile 1000. Unsere Red Harlekin hat also 1852 Km seit Banjul hinter sich gelassen. So gesehen gibt das im Schnitt etwa ein Tages-Etmal von 100 Seemeilen. Bis Fernando do Noronha also noch gute 525 SM. Uebrigens ist eine Seemeile eine Minute des Erdumfanges. Hat die Kugel 360 Grad im Umfang und jedes Grad hat 60 Minuten ergibt sich ein Erdumfang in Minuten von 21600 Minuten. Der Erdumfang der Erde in Kilometer ist in etwa 40’000 KM, geteilt durch diese 21600 Minuten ergibt eine Länge von 1852 Meter und nennt sich Seemeile. Bei der Navigation mit Seekarte und Zirkel , hilft dieses Laengenmass sehr, man kann dadurch eine Distanz zweier Punkte auf der Karte in den Zirkel nehmen und dann diese Zirkellaenge am linken oder rechten Rand der Karte, wo die Breitengrade in Grad und Minuten, also eben in Seemeilen dargestellt werden. Heute, mit der elektronischen Seekarten und der GPS-Navigation tritt das Ganze ein wenig in den Hintergrund. Wenn die Fahrt so weiter geht, werden wir wohl uebermorgen oder ueber-uebermorgen den Aequator ueberquert haben, immer vorausgesetzt, die Kalmen lassen uns nicht in ihren Breiten tuempeln. Und dann..Vielleicht kann ich ja dann, im suedlichen Atlantik, besser Fischen, denn hier fischte ich nach jedem Leinen ausbringen in kuerzester Zeit nur wieder diese schwimmenden Meerespflanzen. Und wieder einmal eine Fischmalzeit waere natuerlich schon willkommen.

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Atlantik Tag 10

03 Apr 2012

Dienstag 3.4.2012 11.00 UTC Erwin Gestern Nachmittag gab es bei angenehmen Temperaturen von 26 Grad Celsius eine Schiffsdach-Waschaktion. In Baelde muss oder darf mit Regen gerechnet werden und noch immer haben wir auf Deck und Dach Gambia-Sahara-Staub. Da wir das Dach auch für die Trinkwasserversorgung benutzen und mittels zwei 1 Zoll Schlaeuchen das Regenwasser in unsere 2 Wassertaenke fuehren koennen, braucht es ein schmutz- und staubfreies Dach. Der erste Regenschub befreit dann das Dach von Salz, ab dem zweiten Schub gehts ans Tankfuellen. Zwei Stunden spaeter hatten wir bereits den ersten Schub. Unser erster richtiger Regen seit Spanien, vor 7 oder 8 Monaten. Ein herrliches Gefuehl, obwohl es nur ein dichter feiner Sprühregen war, auf der Haut fuehlte sich das warme Nass wie Balsam an. Optimal war auch der Zeitpunkt. Das Nachtessen war eingenommen, der Blister, der jeweils fuer die Nacht mit der Genua ersetzt wird war kurze Augenblicke vorher noch trocken geborgen worden (Nicht dass er wasserscheu ware, aber doch….). Fuer die Nacht musste mit einer Fortsetzung dieses hier in dieser Jahreszeit haeufig auftretenden Naturereignis gerechnet werden. Diese Nacht uebernahm ich die erste Wache – Kurz vor 23.00; Im AIS erblickte ich ein Schiff gegen unsere Richtung fahrend. Scharf in die Nacht auf die See hinaus spaehend, erkannte ich einen Lichterschein, Ist es Weihnachten ? Hie und da sahen wir auf dieser Strecke schon einzelne Schiffe, meistens nur auf AIS aus zu machen und da zu entnehmen, dass es Frachter oder Tanker sind. Dieses Schiff wird uns etwa mit 2 Meilen Anstand kreuzen, vier bis fuenf Mal schneller ist es (ebenfalls auf AIS zu entnehmen). Es ist die Costa Magica, ein Italienisches Kreuzfahrtschiff, knappe 300 Meter lang und 35 Meter Breit. Als wir von den Cap Verden nach Dakar fuhren, fiel unser Radarreflektor vom Mast in den „Bach“. In Dakar fand ich per Zufall ein Radar-tetraeder, montierte ihn dann noch in Lamin Lodge ueber die erste Saling, wusste aber noch nicht, wie seine Wirkung war. Also eine gute Gelegenheit auf UKW, Kanal 16, nach seiner Abstrahlwirkung und seinem verursachten Radarsignal nachzufragen. Der Funker der Costa Magica, bestaetigte ein gutes Radarsignal und auch ein gutes AIS-Signal. Gut zu wissen, man wird gesehen ! Zehn Minuten spaeter ruft er mich auf Kanal 16 an, wir wechseln auf den Schiffs-Schiffskanal 6 und wechseln unsere Destinationen aus, unser Befinden und hatten einen Smalltalk. Seit 5 Monaten waren sie unterwegs in Asien und Suedamerika und kehren jetzt erstmals wieder zurueck nach Italien. Man hoerte das Sehnen nach der Heimat in der Stimme klingen. Hinter mir wurden die Christbaumbeleuchtung der Costa Magica immer blasser, vor mir wurde es immer dunkler – Naechste Stoerung ?

Jrmina Ja, die naechste Stoerung kommt bestimmt. Die ganze Nacht gab es ein abwechslungsreiches hin und her. Zuerst der Wind bis etwa 27KT boeig auffrischend, dann der Regen, mit wieder abflauendem Wind, schlussendlich fast gar kein Wind, bis zum naechsten………. Meist waren es nur heftige Regenguesse, gegen morgen kamen aber Gewitterregen dazu. Unsere Blitzableiter gelangten, kaum fertiggestellt, zu ihrem ersten Einsatz. Was meinte Erwin gestern wohl damit, als er sagte, fuer Gewitter seien wir nun geruestet?? Auch heute Vormittag geht es munter so weiter. Wir verzichten aufs Blistersetzen….

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Atlantik Tag 09

02 Apr 2012

Montag 2.4.2012, 13.00 UTC Erwin Sonntagnachmittag, Blister zieht uns ruhig gegen Suedwesten… habe ich noch eine Zigarre gefunden – nicht mehr eine der grossen Sorte – aber sie war trotzdem koestlich (Lieber ein Spatz in der Hand als eine Taube auf dem Dach). Am Abend dann hatten wir wieder mit Klaus von Intermar Funkkontakt. Karl von der Maia war tags zuvor an der Hauptversammlung von Intermar und liess uns und Thommas ueber Klaus Gruesse ausrichten – die Welt ist doch klein ! Wir bekammen die Wettervorhersagen und hatten dann ein aufschlussreiches Gespräch ueber die ITC , Inner Tropical Convergenzzone. Es ist ja diese Zone, wo sich die unterschiedlichen Strom- und Windrichtungen der noerdlichen und suedlichen Halbkugel treffen. Was dann zu wirren Wellenbildern, zu Windarmut und diffus wechselnden Windrichtungen und manchmal zu Gewittern mit starken Windboen fuehren kann. Es war ein aeusserst spannendes, aufschlussreiches Gespraech und dies in klar verstaendlicher Stimme, als ob Klaus einige Haeuserblocks nebenan telefonieren wuerde. Wir haben wenig Wettererfahrung aus dieser Gegend und sind natuerlich ueber solche Informationen froh. Am Spaet-Nachmittag haben wir nochmals richtig Sonntag gefeiert und koestlich gegessen. Noch nie war die Mahlzeit an Bord so gut wie gestern abend. Man koennte sagen, ein Geburtstagsfestessen, nicht dass wir Geburtstag haetten, nein, aber eine gute Freundin von uns feierte ihn schliesslich gestern. Wie es zu dieser köstlichen Mahlzeit gekommen ist, wird Jrmina erzaehlen. Die Nacht verlief ruhig, relativ wenig Wind, wechselhaft und unkonstant, zu wenig fuer den Windgenerator. Noch haben wir aber noch keine richtigen Stronprobleme aber den Konsum muessen wir ein wenig im Auge behalten. Heute Morgen hatten wir Probleme mit Blistersetzen und aus Folge daraus auch noch groessere Probleme mit wieder runterholen und neu herrichten. Somit war der Schwatz um 10.00 Uhr mit der Seelotsenrunde verpasst. Schade – naechstes Mal. Die Bltzschutzvorrichtung ist soeben fertig geworden – Nicht dass wir uns deshalb bereits ein Gewitter herbei wuenschten. Fischen waere eigentlich angesagt. Leider treiben auf der Wasseroberflaeche Bueschel von Meeresgrundpflanzen (oder sind es Algen ?), welche sich immer wieder in der Schleppleine verhaengen. So macht Fischen keinen Spass. Alles darf ja auch nicht perfekt sein !

Jrmina Koestlich meint Erwin wohl, weil im roten thailaendischen Curry nebst immer noch frischem Gemuese auch Rindsfilet von Gambia drin war. Unsere Freundin haette vielleicht weniger Freude dran gehabt, sie isst kein Fleisch. Am 8. Tag auf See Rindsfilet, ohne Gefrierschrank? Deshalb fuer uns wohl wirklich koestlich, vor allem, wenn man gambianisches Rindsfilet im ersten Augenblick als ungeniessbar, weil total zaeh, taxiert. Die „Zwoei“ hatte voller Freude vor einigen Wochen gekauft und war herb enttaeuscht. Fast vergessen im Kuehlschrank, wurde der Rest des ueber 1kg schweren Stuecks nach fast zwei Wochen vor dem Entsorgen nochmals begutachtet und siehe da…. Das Stueck hat sich vom Saulus zum Paulus verwandelt. „Ungeniessbar“ ist das Fleisch wohl, weil es zu frisch, also nicht abgehangen oder gelagert verkauft wird. Dank dem superguten Vaccumier-Geraet der „Zwoei“ haben auch wir uns mit extrem guenstigem Rindsfilet eingedeckt und uns in Geduld geuebt….wie heisst es so schoen – Geduld bringt Rosen.

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Atlantik Tag 08

01 Apr 2012

Sonntag 1.4.2012, 13.00 UTC Erwin: Heute ist Sonntag – wir nehmen es gemuetlich. Bereits zwei Highlights des Tages. Funkkontakt mit Kari in Willisau und frisch gebackenes Brot und ein perfektes 3-Minuten Ei zum Fruehstueck. Nehmen wir die flotte Fahrt mit Blister schon aus Selbstverstaendlichkeit hin ? Natuerlich nicht, wir freuen uns darueber mit dem Wissen, dass es wohl nicht immer so gut laufen wird. In etwa 3 Tagen kommt die „Schluesselstelle“ die Kalmen (oder heisst es die Kalmaren ?). Allerdings lassen die Windprognosen für diese Zeit Hoffnung aufkommen.

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