Mittwoch 28th März 2012

by Ralf Schubert

Mittwoch 28.3.2012 Jrmina: Und wieder ist es Nacht, stockdunkle dazu. Der bedeckte Himmel tilgt das so schon wenige Licht der schmalen Mondsichel. Ploetzlich ein unerwuenschter blinder Passagier, mitten in unserem Cockpit. Eine Meisterleistung, wenn man bedenkt, dass wir nur eine etwa 1m breite Luecke im Bereich des hinteren Einstiegs geoeffnet haben. Die restlichen Blachen haben wir geschlossen (Wind- und Spritzwasserschutz). Trotzdem hat es dieser stinkende fliegende Fisch mit einem Gewaltssprung geschafft. Ueberleben wird er dies aber wahrscheinlich nicht, auch wenn wir ihn so schnell wie moeglich wieder ins Wasser rausbefoerdern. Kein leichtes Unterfangen, denn der Fisch zappelt und ist extrem glitschig. Erwin schafft es schlussendlich doch, der Gestank haftet aber noch einige Minuten in unseren Nasen. Kaum vorstellbar, dass es sogar Leute gibt, die diese Fische essen, vielleicht auch eher ein Notakt. Am Morgen finden wir dann noch einige dieser Exemplare auf unserem Achterdeck. Die naechtlichen Temperaturen von ca. 16-17 Grad weichen langsam den waermeren Tagestemperaturen. Meine naechtliche fast winterliche Bekleidung von einigen Schichten Microfasern und Fleecepullover kann ich Stueck fuer Stueck wieder ausziehen, auch dies fast eine Tagesbeschaeftigung……..

Erwin: Riechen meine Hände noch nach stinkendem, oelig-glitschendem und beinhartem Fisch ? Heute ist ein Super Segeltag. Unser Kurs etwa 260 Grad und raeumlicheren Wind als in den Vortagen. So geniessen wir ein sanftes Hin und Her wiegen, unterbrochen durch die von unserem Cataraman ueblichen „Zwischenzuckungen“ welche einem immer wieder ueberraschen und aus dem Gleichgewicht zu bringen vermögen. Zwischendurch kommt Sonnenschein durch die Bewoelkung, zweimal ganz kurz hatten wir Regentropfen und sonst laesst es sich tagsueber mit 26 Grad Celsius und einem Pulover gut leben. Die letzten 24 Stunden haben wir doch etwas ueber 100 Seemeilen gesegelt (davon ein wenig auch geschoben durch den Strom). Wir haben uns von der direkten Route verabschiedet und laufen vor dem Abdrehen in suedliche Richtung noch eine Weile nach Westen. Ein wenig laengerer Weg, vielleicht auch eine ein wenig windstabilere Strecke. Unsere Red Harlekin braucht eben leider ein wenig mehr als nur leichte Winde. Der Tag ist ganz und gar nicht langweilig, dafuer sorgen schon die Mails, die wir über eine Kurzwelleninternetadresse direkt über den Pactor abrufen, von der Familie, Funkfreunden und Segler mit Amateurfunk. Mails an red.harlekin@gmail.com oder Antworten direkt auf den Blog können wir erst mit der naechsten Internetverbindung (hoffentlich Brasilien und nicht Suedpol!) nach unserem Landfall wieder abrufen. Also ein Grund mehr, wieder einmal Land zu sehen. Doch dies wird noch eine Weile dauern – das ist auch gut so, mir gefaellts zur Zeit auf See zu sein. Am Funk und in Mail hoerte ich viel von Fruehlingserwachen und angenehmen Temperaturen in der Schweiz und Deutschland. Und so wuensche ich Euch viel Genuss dabei und auch gruene Daumen.

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