Donnerstag 29th März 2012

by Ralf Schubert

Donnerstag, 29. Maerz Jrmina: Gestern Abend endlich war der Schiff-Smutje, also unser Schiffskoch (das bin meistens ich) wieder soweit fit, dass die Nahrung von kalten Kleinigkeiten wieder auf warme richtige Mahlzeiten umgestellt werden konnte. Fertig mit Diaet, von jetzt an geht es unseren Bordvorraeten an den Kragen. Spaghetti mit arrabiata Sauce,wie gut so etwas Einfaches schmecken kann. Nach einer ziemlich ereignislosen Nacht, einige wenige Frachtschiffe haben wir nur auf dem AIS gesehen, geht es mit einem kraeftigenden Fruehstueck weiter. Wir muessen uns staerken, bevor wir das erste Mal seit laengerem wieder unseren Blister setzen(farbiges ballonartiges Vorsegel). Nach der Funkrunde legen wir los. Gut Ding will Weile haben (?), endlich steht das Ding und alles ist zu unserer Zufriedenheit. Mit Rauschefahrt und ziemlich direktem Kurs nach Brasilien geht es jetzt weiter. So laesst es sich auch mit etwas schaukeln gut leben, wir geniessen es. Immer mittags tragen wir unsere Tagesetmale ein (Distanz der letzten 24 Stunden). Abgesehen von den ersten zwei Tagen (noch keine optimale Besegelung wegen geschwaechter Mannschaft) sind wir mit den zurueckgelegten Distanzen recht zufrieden. Auch sonst stimmt alles an Bord. Unser Stromverbrauch durch die benoetigten Navigationssysteme wird durch die Solarpaneele und vor allem auch durch den in letzter Sekunde reparierten Windgenerator gut kompensiert. Diese Reparatur war ein super Teamwork. Thomas von der Nes-Puck hat den Defekt gefunden, es waren drei kaputte Transistoren. Den Erhalt dieser Kleinstteile haben wir Otto aus der Schweiz zu verdanken, er hat sie organisiert, in ein Couvert gesteckt und 17 Tage spaeter sind sie tatsaechlich in Gambia bei unserem Adressaten Hussein angekommen. Erwins ruhige Hand beim einloeten hat dann schlussendlich zum erfolgreichen funktionieren gefuehrt. Erwin: Blister-Segeln ist Super. Kurs einfach gerade aus und Fahrt bis ans Ende, zum Ziel (Direkt 1310 SM)! Ja, wir halten wieder direkten Kurs. Wenigstens so lange, wie der momentane Standort der windarmen Zone in Nähe des Equators es uns erlaubt. Noch stimmt es. Und auch Jrminas Geschick mit Garn und Nadel hat den Test ueberstanden – ihre Naehreparatur am Blistersack haelt stand ! Ueber Funk erhalten wir von Klaus (Intermar) deren Standort und die Windprognosen auf der Strecke. Mit seinen Zusammenfassungen aus verschiedenen meteorologischen Prognosen und Modellen beraet er uns morgens um 9.00 Uhr und Abends um 18.00 Uhr. So laesst sich nachts natuerlich ruhiger wachen und schlafen. Auch mit Christoph (Seelotse) haben wir oefters um 10.00 Uhr ein Rendez-Vous. Eine Gruppe von Seglern nehmen teil. Es werden eine halbe Stunde Segel- und Funkerfahrungen ausgetauscht, Positionen mitgeteilt, Wetterinformationen weitergegeben und auch einfach locker gequatscht. Dort sprechen wir dann auch mit den Seglern, welche wir in Gambia kennen gelernt haben. Volker, mit seiner Delphin, sagt, wo er sich im Atlantik befindet. Momentan repariert er das WC (auch elektrische gehen scheinbar hie und da kaputt). Dann ist natuerlich auch noch immer Thomas mit seiner Nes-Puck auf dem Weg in die Karibik. Sein Autopilot ist ihm zwei Tage nach der Abfahrt von Banjul leider ausgestiegen. Provisorien haben nur kurze Zeit gehalten und jetzt steuert er alles von Hand. Nachts dreht er bei, kocht, isst und schlaeft, tagsueber hat er die Hand am Rad, goennt sich dann aber eine kurze Pause mit einer geselligen Funkrunde. Und dies bereits seit 20 Tagen. Ein weiterer Segler, der Karl. Er und Karin machen jetzt mit ihrer Maia eine Pause in Mindelo, Kap Verden. Vielleicht an Weihnachten ein mögliches Treffen in Grenada. Alle zwei bis drei Tage haelt Christoph, der Seelotse, abends eine kleine Raetselstunde ab, wo wiederum locker ausgetauscht wird. Nicht immer ganz einfach, diese Aufgaben! Wer Lust hat nimmt an seinen Runden teil und wenn erwuenscht, erhaelt man tagsdarauf seine Seelotsenpost, eine humoristische Zusammenfassung der taeglichen Runden. Von der Zwoei habe ich per SMS einen Geburtstagsgruss bekommen. Per Satelliten-Telefon, zwei Tage verspaetet, dann als wir das Telefon wieder in Betrieb nahmen. Also quasi Geburtstagsgruesse von Schiff zu Schiff auf dem Atlantik. Gestern nun ihr Mail: Wohlbehalten und gluecklich soeben in Brasilien gelandet. jetzt geniessen sie vorerst das Durchschlafen. Sie scheinen also sehr gut vorwärts gekommen zu sein – wir gratulieren Ihnen von Herzen. Wir haben noch einen Weg vor uns, vielleicht aber reicht die Zeit, sie in Jacare noch zu treffen. Wäre natuerlich toll.

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