Donnerstag 19th April 2012

by Ralf Schubert

Mittwoch 18.4.2012 Erwin Heute um 14.00 UTC haben wir den Atlantik verlassen und sind den Fluss Rio Paraiba hinauf nach Jacare gefahren. Damit hatte uns der Atlantik genau 24 volle Tage und Naechte in seiner Obhut und uns eine gute und spannende Zeit beschert. Diesen erstweiligen Abschied wollte er, der Atlantik, uns allerdings nicht all zu leicht machen. Anfangs Nacht lief alles noch gut, genuegend Wind, richtige Richtung, gutes Etmal, Timing perfekt. Dann gab es einige Squalls, immer noch alles gut und recht – somit letztes Mal Wassertank fuellen ! Seit dem Abendbeginn halten wir nicht mehr vor, die Wetterprognose verspricht die naechste Zeit Wind aus Suedost (SE), 10 bis 15 Knoten, wir steuern einen direkten Kurs an, 90 Grad am Wind. Aber nach diesen Squalls…. gerade 10 Seemeilen vor der Ansteuerungsboje nach Cabedelo und Eintritt in den Rio, schwenkt der Wind auf Suedwest, Windstaerke bis 18 Knoten. Hat er den Wetterbericht nicht mitbekommen? Vorbei mit direktem Kurs. Ja, beim Segeln wird eben erst ganz am Schluss abgerechnet – und eigentlich wuessten wir dies ja seit langem ! Aufkreuzen war jetzt angesagt und dies mit unserer Red Harlekin, welche bei diesem Kurs eigentlich nur schlechte Allueren zeigt und dies dann mit Stampfen und Bocken zusatzlich unterstreicht. Ein Kompromiss war gesucht…. und gefunden (zwischen der Red Harlekin und uns oder zwischen Jrmina und mir !) – die Haelfte der Distanz noch Segeln und Aufkreuzen, die anderen 5 Seemeilen unter Motor zuruecklegen (Dieser Kurs unter Motor stampfte auch, war auch nicht schnell und trocken war er auch nicht). Dennoch, er erlaubte uns, die Flussfahrt noch rechtzeitig mit Stromunterstuetzung in Angriff zu nehmen. Ueberraschenderweise aber war der Strom zu dieser Zeit noch nicht all zu stark, aber ein wenig hat er uns doch noch nach Jacare geschoben. Atlantik – see you again ! Morgen werden wir noch alle Behoerdengaenge erledigen und Mails lesen. Zudem wollen wir in einem kleinen Resume einige Erkenntnisse und Facts zusammentragen und damit unser „Tagebuch Atlantik“ mit diesem Beitrag dann abschliessen. Wenn die Photos der letzten 25 Tage untertiteld aufbereitet sind, werden wir sie ebenfalls in PDF-Form in den Blog stellen, ein Mailversand setzt Euch dann davon in Kenntnis.

Jrmina Wunderbarstes Segeln, in der Nacht mit perfektem Sternenhimmel, am Tag mit Sonnenschein und zum Abschluss noch einigen Squalls mit etwas Regen – bis 10 Seemeilen vor der Flusseinfahrt. Der Atlantik wollte uns nicht gehen lassen – Wind voll auf die Nase. Den ganzen restlichen Tag haetten wir wohl mit aufkreuzen verbringen koennen, denn nicht nur der Wind, auch die Stroemung waren gegen uns. Und wir hatten ein Zeitfenster, um mit der Stroemung den Fluss hochzufahren. 10 Seemeilen, eigentlich keine Distanz mehr. Trotzdem, Erwin war fuers aufkreuzen, kein angenehmer Kurs mit unserem Schiff und ich fuers direktere und auch unangenehme motoren nach dem Motto, moeglichst einfach und schmerzlos. Wir sind beide zusammen in Jacare angekommen……….. Im Ankerfeld haben wir „alte Bekannte“ wieder getroffen, einen deutschen Amateurfunker. Er laesst seinen Catamaran aufs Trockendock stellen, ein bisschen abenteuerlich sieht dieses Spektakel schon aus. Wir spielten auch mit dem Gedanken, die Red Harlekin aus dem Wasser zu nehmen, haben diese Idee aber jetzt begraben Und die Zwoei liegt auch hier, allerdings etwas verlassen. Heidi und Rene sind vor einigen Tagen in die Schweiz geflogen, ferienhalber. Das werden wir auch machen und uns deshalb morgen nach dem Papiere erledigen in die Marina verholen. Der Informationsaustausch unter den Seglern funktioniert bestens. So wissen wir nach kurzer Zeit schon einiges ueber unsere Umgebung und die Moeglichkeiten. Wir vertreten uns noch etwas unsere Seebeine und geniessen eine Nacht ohne Schaukeln. Nur ein stetes Wasserplaetschern und -gurgeln durch die Flussstroemung bedingt erinnert uns noch daran, dass unser Schiff schwimmt.

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165 Responses to “Atlantik Tag 25”

  1. Heidi und René, SV zwöi sagt:

    Bravo, bravo und schönen Aufenthalt wünschen wir Euch. Gut zu hören, dass die zwöi noch in Jacaré am Steg steht. Wir sind trotz Datum (oder gerade deswegen – Freitag der 13.) gut gereist und in der Zentralschweiz angekommen. Ab heute 20. sind wir etwa eine Woche in Bern, dann wieder in der Innerschweiz. Haben bereits einen Termin bei der US – Botschaft für das VISA-Interview. Geflogen sind wir (Suchmaschine Swoodoo.com) ab Recife nach Zürich mit Condor und Lufhansa. Hat bestens geklappt.
    Gruss und vielleicht sehen wir uns ja auch hier auf CH-Boden wieder mal.

  2. Karin Schubert sagt:

    Glückwunsch!!! Das habt ihr Super gemacht. Ich habe jeden Tag euren Blog mit großer Begeisterung gelesen und ich musste sehr oft an euch denken. Ich bin froh, dass ihr den Atlantik so heil bezwungen habt. Genießt nun erstmal festen Boden unter den Füßen.
    Viele liebe Grüße von Karin und Ralf

  3. Otto Martin sagt:

    Ich hatte so einen schönen kleinen Kommentar geschrieben und auf die Peter & Paul Inseln Bezug genommen. Und einen link dazu hinzugefügt. Offensichtlich wird das nicht goutiert, denn mein Kommentar ist nicht freigeschaltet worden, sondern gelöscht! Jedenfalls freue ich mich, Euch beide bald in Luzern/Stansstad begrüssen zu können

    Otto

  4. Dietmar DL4HAO sagt:

    Herzlichen Glückwunsch und weiterhin viel Spaß 🙂

    vy73
    Dietmar, DL4HAO

  5. Otto Martin sagt:

    Bezüglich dieser „Peter & Paul“-Inseln (Felsen) im Atlantik habe ich etwas recherchiert: Ganz unproblematisch sind die wohl nicht, vor allem mit grösserem Tiefgang. Da kartographisch nicht gut erfasst, sind wohl schon einige Schiffe dort „abgesoffen“. Wer sich näher mit den „unwirtlichsten 15’000 qm“ beschäftigen will, hier ein link: http://timber.ce.wsu.edu/Resources/papers/P74.pdf
    Tja, die romantischen Stunden dieser Ueberfahrt hätte ich gerne mitgemacht!
    Gruss vom Schrübli-Otto
    Und ehe ich es vergesse; funktioniert der Windgenerator noch?

  6. Christoph Meier sagt:

    Super gemacht! Herzliche Gratulation, Jrmina und Erwin, für die erfolgreiche Atlantik-Überquerung. Ich habe (fast täglich) mitgefiebert und bin froh, dass Ihr (inkl. stehender Mast) heil am andern Ufer des „Teichs“ angekommen seid. Schier unglaublich, dass es mitten im Altlantik noch Felsen gibt, die man mit Hilfe von Funkfreunden etc. erst suchen und lokalisieren muss!

    Herzliche Grüsse aus Luzern
    Christoph
    (PS betr. „Heimurlaub“: am Sonntag wär‘ dann RGV-Ansegeln !! (Wohl etwas knapp!).